Netzentwicklungsplan 2025

Neue Entwicklungen zur 380kV-Leitung

Aufruf von Bürgermeister Bernd Reisenweber

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

wie Sie den Tageszeitungen vom 04. und 05.11.2015 entnehmen konnten, wurde eine neue 380-kV-Leitung ins Gespräch gebracht. Von Altenfeld bis zur Landesgrenze Thüringen/Bayern wurde eine 380-kV-Trasse mit 4 Systemen gebaut. Die derzeit in Bau befindliche 380 kV-Leitung von Schalkau bis zum Umspannwerk Redwitz, die an Ebersdorf vorbeiläuft, ist nur mit 2 Systemen ausgestattet. Im Netzentwicklungsplan für das Jahr 2024 war bisher die sogenannte Trasse P 44 mit 2 weiteren Systemen enthalten, die direkt von Schalkau durch den nördlichen Landkreis Coburg und den Landkreis Haßberge zum mittlerweile stillgelegten Kernkraftwerk Grafenrheinfeld führen sollte. Derzeit befindet sich der Netzentwicklungsplan für das Jahr 2025 im sogenannten Konsultationsverfahren. Überraschenderweise geht man nunmehr davon aus, dass diese Leitung P 44 politisch nicht durchsetzbar ist (wo diese politische Diskussion stattgefunden hat und wer sie geführt hat, ist uns nicht bekannt). Deshalb hat nunmehr die Politik der Fa. Tennet den Auftrag gegeben, Alternativen für diese Leitung P 44 zu entwickeln. Überraschenderweise wurde jetzt eine Aufrüstung der noch in Bau befindlichen 380 kV-Leitung von Schalkau über Ebersdorf Richtung Redwitz in die Planung eingebracht mit der Bezeichnung „P44 mod“. Diese in zwei Varianten:
1. Abriss der erst in diesem Herbst aufgestellten Masten von Schalkau bis Redwitz und Ersatz durch größere Masten (ähnlich wie südlich von Erfurt) auf der nunmehr bereits bestehenden Trasse.
2. Neubau einer Trasse parallel zur bestehenden Trasse in 60 m Abstand.
Außerdem ist aus dem Netzentwicklungsplan 2025 zu entnehmen, dass in einem Szenariorahmen zusätzlich zu dieser zweiten 380-kV-Leitung auch noch eine der beiden Nord-Süd-Gleichstromtrassen entlang der bestehenden 380-kV-Trasse bis ca. auf Höhe Oberfüllbach geplant ist (Name: DC5/DC6).
Danach würde es bedeuten, dass entlang der Autobahn A 73, an Oberfüllbach, Friesendorf und Ebersdorf vorbei eine weiter Stromtrasse entsteht. Dadurch wird unsere gesamte Gemeinde eingekesselt.
Wir, die betroffenen Bürgermeister von Rödental, Dörfles-Esbach, Coburg, Ebersdorf bei Coburg, Sonnefeld, Weidhausen bei Coburg, Marktgraitz und Redwitz haben uns gleich am 04.11.2015 zusammengesetzt, und das weitere Vorgehen besprochen. Wir sind uns einig, dass die Leitung nur verhindert werden kann, wenn im laufenden Konsultationsverfahren für den Netzentwicklungsplan 2025 möglichst Zehntausende von ablehnenden Stellungnahmen aus dem betroffenen Bereich eingehen.

Stellungnahmen können auf folgenden Wegen abgegeben werden:
- direkt über ein einfaches Konsultationsformular auf der Internetseite www.netzentwicklungsplan.de (Beschreibung siehe weiter unten)
-
per Email an konsultation@netzentwicklungsplan.de oder
- per Brief an Netzentwicklungsplan Strom, Postfach 10 05 72, 10565 Berlin (Päckchen und Pakete werden nicht entgegen genommen)
- verwenden Sie unser bereits vorgefertigtes Konsultationsschreiben [712 KB] (Sie müssen es lediglich ausdrucken, mit Ihrer Adresse, Datum und Unterschrift versehen sowie einzeln und persönlich zur Post geben)

Diese Stellungnahmen müssen bis spätestens 13.12.2015 möglichst von jedem einzelnen Bürger vorgebracht werden.

Hierbei geht es weniger um die Substanz der Einwendungen, sondern mehr um die Masse der Einwendungen, je mehr desto besser.
Die Verantwortlichen müssen erkennen, dass sie mit stärkstem Gegenwind zu rechnen haben, denn die Erfahrung hat gezeigt, dass die große Politik nur auf massiven Bürgerwillen reagiert.
Wenn nur paar Hundert Einwendungen eingehen, zeigt es den Verantwortlichen, dass sich hier kaum Widerstand regen wird und man mit der Planung der Trassenführung durch die Region Coburg/Lichtenfels ungehindert weiter machen kann.

Ich rufe deshalb jeden einzelnen Bürger von Ebersdorf b. Coburg auf, auf der Seite www.netzentwicklungsplan.de Einwendungen gegen die Trassen „P44 mod“ und „DC5/ DC6“ zu erheben.
Auf dieser Internetseite befindet sich rechts ein Button „Zur Konsultation“. Diesen klicken Sie bitte an. Auf der nächsten Seite gibt es Infos zur Konsultation und eine orangegeschriebene Zeile „Hier gelangen Sie direkt zur Möglichkeit Ihre Stellungnahme abzugeben“. Diesen Satz klicken Sie an. Auf der nächsten Seite mit der Überschrift „Konsultation 2015“ ist die Vorgehensweise für die Erhebung einer Einwendung erläutert. Wenn Sie auf dieser Seite nach unten scrollen, können Sie sich direkt über diese Seite registrieren und auf den weiteren Seiten Ihre Einwendungen vorbringen.

Auf der Grundlage dieser Einwendungen wird der zweite Entwurf zum Netzentwicklungsplan 2025 erarbeitet. Dieser findet dann Eingang in den Bundesbedarfsplan, in dem von der Bundesregierung die künftig notwendigen Trassen festgeschrieben werden. Von dieser Festlegung wird es dann keine Abweichungen mehr in großem Maße geben, sondern auf dieser Grundlage werden dann die erforderlichen Raumordnungsverfahren und das Planfeststellungsverfahren durchgeführt. D. h. die grundsätzlichen Trassen sind bereits festgelegt und es geht in diesen beiden genannten Verfahren nur noch darum, ob die Trassen ein paar Meter nach links oder nach rechts verschoben werden.

Ich bitte alle Ebersdorfer eindringlich einzeln und pünktlich bis zum 13.12.2015 Einspruch gegen diese geplanten Trassen „P44 mod“ und „DC5/ DC6“ zu erheben. Wir müssen diese Trassen verhindern, jede Einwendung zählt. Ein Satz reicht, es zählt die Masse der Einwendungen.

Ihr
Bernd Reisenweber
Erster Bürgermeister

Textbausteine für Einwände

Hiermit erhebe ich aus folgendem Grund / folgenden Gründen Einwände gegen die Projekte P44 mod und DC5/DC6:

* Dem, bereits seit einiger Zeit laufenden Verfahren, mangelt es an Transparenz.

* Sowohl die Bürger der Gemeinde Ebersdorf b.Coburg als auch die des Landkreises Coburg sind bereits jetzt durch die bestehende 380 kV-Leitung, die BAB A 73 und die ICE-Trasse über Gebühr belastet.

* In den für die Planung herangezogenen Szenarien werden meines Erachtens falsche Annahmen zu Grunde gelegt. So könnte die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit von Gaskraftwerken einen weiteren Netzausbau nicht erforderlich werden lassen.

* Der zu erwartende technische Fortschritt hinsichtlich neuer Speichertechnik und eine mögliche Reduzierung des zukünftigen Verbrauchs sind nur unzureichend berücksichtigt.

* In den Szenarien spielt der Stromexport eine wesentliche Rolle, in einer Abwägung muss den Schutzbelangen von Mensch und Natur immer Vorrang vor den wirtschaftlichen Interessen der Netzbetreiber eingeräumt werden.

* Den Netzbetreibern geht es nicht vorrangig um Versorgungssicherheit. Dies erkennt man daran, dass auch nach Abschaltung des AKW Grafenrheinfeld (Mitte 2015) die Lichter nicht ausgegangen sind, obwohl die Leitung Altenfeld – Redwitz erst nächstes Jahr ans Netz geht.

* Planvolles Handeln sieht anders aus. Wer ist dafür verantwortlich, dass eine neue Leitung, direkt neben einer im Bau befindlichen Leitung errichtet werden soll oder diese Leitung noch einmal abgerissen werden müsste?

* Durch die geplanten Vorhaben erhalten Sie so keinen Ringschluss. Sollte im Katastrophenfall ein Naturereignis für eine Unterbrechung der Stromversorgung verantwortlich sein, sind beide Leitungen gleichzeitig betroffen. Zusätzlich müssen Sie das Umspannwerk Redwitz erweitern, das jetzt schon an seine Kapazitätsgrenzen geführt wird.

* Bei einer Bündelung der Leitungen werden die bisher vorgegebenen Mindestabstände nicht mehr eingehalten, gerade bei Dörfles-Esbach kommen Sie kaum noch durch.

* Schutzgüter Mensch, Pflanzen, Tiere, biologische Vielfalt, Boden und Landschaft werden durch neuen Leitungen in unzulässiger Weise betroffen. Ein neuer Kahlschlag quer durch den östlichen Landkreis Coburg und den Landkreis Lichtenfels sowie erhebliche Umweltauswirkungen wären die Folge.

* Der Neubau, ob als Freileitung oder Erdkabel, hätte weitere, erhebliche Beeinträchtigungen zur Folge und würde die Zerstörung der Landschaft weiter vorantreiben.

* Die Verlegung der Leitungen als Erdkabel wird zu keiner Akzeptanz in der Bevölkerung führen. Die gesundheitlichen Risiken einer Erdverkabelung für Mensch und Natur sind bisher nicht hinreichend geprüft. Auch wird dadurch der Flächenverbrauch nicht minimiert.